Für Österreich bei der Europameisterschaft – unsere unvergessliche Hockey-Reise in die Türkei! Ein Bericht von Josef und Augustin Liebscher, Klasse 9a.
Für zwei Wochen tauschten wir unser Klassenzimmer gegen den Hockeyplatz. Als Spieler der österreichischen U16-Nationalmannschaft durften wir Österreich bei der Hockey-Europameisterschaft in Alanya – EuroHockey 5s U16 Championship – in der Türkei vertreten.

Schon die Woche vor der Europameisterschaft hatte es in sich. In Wien absolvierten wir mit der Nationalmannschaft fünf intensive Trainingseinheiten und zwei Testspiele. Bei Temperaturen von deutlich über 35 Grad wurde schnell klar, dass in der Türkei – bei ähnlichen Bedingungen – auch die Hitze ein Gegner sein würde. Zudem wurde uns bewusst, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Enttäuschung im Leistungssport ist: Ein Mitspieler verletzte sich wenige Tage vor dem Abflug beim letzten Testspiel gegen Kroatien und konnte die Reise nicht antreten. Das hat uns alle sehr betroffen gemacht und gezeigt, wie schnell sich im Leistungssport alles ändern kann.
Am 29. Juni starteten wir schließlich Richtung Türkei. Gemeinsam mit unseren Mannschaftskameraden, den Trainern, dem Physiotherapeuten, unserem Video-Analysten und der Teammanagerin machten wir uns als österreichische U16-Nationalmannschaft – die „Red Cobras“ – auf den Weg nach Alanya.



In Alanya angekommen, bestritten wir zunächst noch ein Testspiel gegen Polen. Anfangs fanden wir überhaupt nicht in unser Spiel, doch nach einer starken Schlussphase gewannen wir 4:3. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns eine Aussage unserer Trainer: Wir sollten keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Nur wer mutig spielt und auch etwas riskiert, kann sich weiterentwickeln. Dieser Gedanke hat uns durch das gesamte Turnier begleitet.
Am ersten Turniertag wartete direkt der Gastgeber Türkei auf uns. Als wir Arm in Arm auf dem Spielfeld standen und die österreichische Bundeshymne gespielt wurde, war das ein ganz besonderer Moment. Gegen die lautstark unterstützten Gastgeber gerieten wir früh mit 0:2 in Rückstand, kämpften uns aber immer wieder zurück und erreichten ein verdientes 3:3. Noch am selben Abend folgte ein überzeugender 5:1-Erfolg gegen die Ukraine. Nach dem Spiel kühlten wir uns im Eisbad ab und sangen auf der Busfahrt zurück zum Hotel gemeinsam österreichische „Banger“ – die Stimmung innerhalb der Mannschaft war großartig.
Über den Sport fiel es uns leicht, mit den Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern in Kontakt kommen. Von den Spielern aus der Ukraine erfuhren wir, dass ihre Anreise mit dem Bus mehr als 60 Stunden gedauert hatte. Aufgrund des derzeitigen Krieges konnten sie natürlich nicht mit dem Flugzeug fliegen. Einen anderen Hockey-Spieler aus der dänischen Mannschaft kannten wir von Turnieren aus Hamburg. Ein türkischer Spieler berichtete uns, wie intensiv das türkische Team sich auf das Turnier vorbereitet hatte; auch sahen wir immer wieder Journalisten vom türkischen Fernsehen vor Ort. Das Schweizer Team ist mit einem großen Fan-Club (mit Kuhglocke) angereist. Uns wurde bewusst, dass hinter jeder Mannschaft ganz unterschiedliche Geschichten stehen. Obwohl wir auf dem Platz Gegner waren, begegneten wir uns mit großem Respekt und Freundschaft. Die Gespräche und Begegnungen mit den Spielern der anderen Nationen gehören für uns genauso zu einer Europameisterschaft wie die Spiele selbst.
Auch am zweiten Turniertag lief alles nach Plan. Gegen Bulgarien benötigten wir nicht nur einen Sieg, sondern möglichst viele Tore, um den Gruppensieg zu sichern. Mit einem deutlichen 14:1 gelang uns genau das. Damit standen wir als Gruppenerster im Viertelfinale. Dort trafen wir auf Dänemark, das wir mit einer sehr soliden Leistung 4:0 schlagen konnten. Wir hatten einen Lauf und standen im Halbfinale!


Dort wartete die Ukraine auf uns, die mit kämpferischem und begeisterndem Hockey zwischenzeitlich für Furore gesorgt hatte. Das Endergebnis von 5:1 klingt klarer, als das Spiel tatsächlich war. Zur Halbzeit stand es noch 1:1, ehe wir in der zweiten Hälfte unsere Chancen konsequent nutzten. Nach dem Schlusspfiff ging es gemeinsam ans Meer – ein perfekter Tag! Abends haben wir immer das Zimmer unseres Physios zu unserem Mannschaftsquartier gemacht: Wir wurden behandelt, schauten dabei die Fußball-WM, „snackten“ und machten ein bisschen Quatsch.
Im Finale wartete erneut die Türkei. Die Atmosphäre war beeindruckend: Eine voll besetzte Tribüne, viele türkische Fans und eine großartige Stimmung machten das Spiel zu einem echten Endspiel. Vielleicht waren wir zu aufgeregt, jedenfalls lief anfangs überhaupt nichts zusammen, so dass wir zur Halbzeit bereits mit 0:4 zurücklagen. Eine Katastrophe. Trotzdem gab niemand auf; es war noch möglich, das Spiel zu drehen. Wir kämpften uns Tor für Tor heran und verkürzten kurz vor Schluss sogar auf 5:6. In den letzten Minuten hatten wir in Überzahl noch die Chance auf den Ausgleich, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Die Türkei gewann die Europameisterschaft, wir wurden Vize-Europameister.
Natürlich war die Enttäuschung unmittelbar nach dem Schlusspfiff groß. Gleichzeitig überwog nach kurzer Zeit der Stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht hatten. Silber bei einer Europameisterschaft ist ein außergewöhnlicher Erfolg. Besonders schön war, dass uns auch Jungs anderer Nationen im Finale angefeuert haben. Als die Ukrainer oder Dänen auf einmal „Österreich, Österreich!“ riefen, hat sich das stark angefühlt. Das war ein schönes Zeichen dafür, dass Sport Menschen verbindet.
Ein besonderes Highlight war außerdem die Auszeichnung von Augustin als Torschützenkönig des Turniers. Mit insgesamt 13 Treffern war er der erfolgreichste Torjäger bei der Europameisterschaft. Seine Auszeichnung zeigt aber auch, wie stark unsere Mannschaft als Ganzes gespielt hat. Hinter jedem Tor stehen schließlich die Mitspieler, die den Assist geben, Laufwege machen und sich gegenseitig unterstützen. Hockey ist Teamwork.


Für uns beide war diese Reise weit mehr als nur ein Hockeyturnier. Wir haben erlebt, wie wichtig Teamgeist, Disziplin und gegenseitiges Vertrauen sind. Gleichzeitig haben wir gelernt, offen auf Menschen aus anderen Ländern zuzugehen und sich mit ihnen auszutauschen. Wenn wir die Fotos auf unserem Handy durchgehen, dann ist das gemeinsame Mannschaftsfoto mit der Ukraine wirklich speziell. Wir wissen, was die Menschen in diesem Land seit Jahren durchmachen müssen. Diese Jungs, die übrigens aus vielen unterschiedlichen Städten in der Ukraine kamen, eine Woche lang lachend und fröhlich erleben zu dürfen, hat uns bereichert.
Mit einer Silbermedaille, neuen Freundschaften und unzähligen schönen Erinnerungen im Gepäck sind wir nach Hause zurückgekehrt. Die zwei Wochen haben uns sportlich, aber auch persönlich geprägt. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Schule uns diese besondere Erfahrung ermöglicht und uns dabei unterstützt hat. Ohne das wäre dieses unvergessliche Erlebnis nicht möglich gewesen.
Josef und Augustin Liebscher, Klasse 9a
// Der Fachbereich Sport und das Arndt-Gymnasium Dahlem gratulieren sehr herzlich und sind stolz auf euch! Des habts super gmacht! Oida, des kann sich sehen lassen! gez. Gb // 06.07.2026 //